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BGH: Verweis auf freie Werkstatt bei fiktiver Abrechnung

Meldung vom 10.8.2010

Unter gewissen Voraussetzungen kann der Geschädigte eines Verkehrsunfalls die kalkulierten Reparaturkosten ersetzt verlangen, auch wenn er das Kfz nicht reparieren oder nur eine Billigreparatur ausführen lässt (sog. fiktive Abrechnung). Die Abrechnung mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung erfolgt in diesem Fall grundsätzlich auf Basis eines Gutachtens.

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Bisher war unklar, ob der Gutachter die Stundensätze einer meist teureren markengebundenen Werkstatt ansetzen darf. Die Versicherer erstatten regelmäßig nur die Kosten einer freien Werkstatt. Der Bundesgerichtshof hat nun in einem aktuellen Urteil nochmals bestätigt, dass der Geschädigte grundsätzlich mit den Stundensätzen der Markenwerkstatt abrechnen darf (BGH, Urteil vom 23.02.2010, VI ZR 91/09 und Urteil vom 20.10.2009, VI ZR 53/09). Allerdings kann der Versicherer den Geschädigten auf eine freie Werkstatt verweisen, wenn er beweist, dass die Reparatur in dieser Werkstatt vom Qualitätsstandard her der Reparatur in der Markenwerkstatt entspricht. Mit diesem Argument lehnen die Versicherer den Ersatz der Kosten einer markengebundenen Werkstatt oftmals weiterhin ab.
 
Dabei lässt der Bundesgerichtshof Ausnahmen zu. Auch wenn die Reparatur in der freien Werkstatt technisch gleichwertig ist, kann die Verweisung auf die freie Werkstatt für den Geschädigten unzumutbar sein: Zum Beispiel, wenn das Kfz noch jünger als drei Jahre ist oder wenn das Kfz auch bisher stets in einer Markenwerkstatt gewartet und repariert wurde.
 
Wir verfolgen ständig die aktuelle Rechtsprechung und können auf diese Weise Ihren Verkehrsunfall für Sie optimal gegenüber der gegnerischen Haftpflichtversicherung abrechnen.